Insgesamt 80 Prozent der erfassten Abfälle in den Landkreisen Friesland und Wittmund werden verwertet. Bundesweit ist dagegen nur eine Quote von zwei Dritteln der Schnitt.


Hier wird aus Abfall Energie: Das Abfallwirtschaftszentrum Friesland-Wittmund in Wiefels

© AWZ-Wiefels

Die Verwertung von Abfällen wird mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes derzeit politisch auch in der Öffentlichkeit diskutiert. Dabei entsteht der Eindruck, als werden Abfälle derzeit nicht ausreichend verwertet. Tatsächlich sind Abfälle mehr denn je stoffliche bzw. energetische Ressourcen. Die Abfallwirtschaft trägt daher in erheblichem Maß zum Klima- und Ressourcenschutz bei. Viele Menschen definieren heute ihren eigenen Beitrag zum Umweltschutz überwiegend über die Trennung und Sortierung ihrer Abfälle. Die europäische Rahmenrichtlinie schreibt die Getrennthaltung von werthaltigen Abfällen ab 2015 zwingend vor - die Mitgliedsstaaten sind aufgefordert, dies im jeweiligen nationalen Abfallrecht umzusetzen.

Der Gedanke der Kreislaufwirtschaft wird in den Landkreisen Friesland und Wittmund jedoch bereits seit vielen Jahren gelebt und umgesetzt. Bereits in den 80'er und 90'er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden vorausschauend die Weichen für die getrennte Erfassung und Verwertung von Abfällen in den beiden Landkreisen gelegt. Beide Landkreise haben ihre Verantwortung im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge sehr ernst genommen, um auch im ländlichen Bereich eine effiziente und ökologisch nachhaltige Abfallerfassung zu gewährleisten. Mit den heutigen sogenannten werthaltigen Abfällen - z.B. Altpapier - war damals jedoch noch kein Geld zu verdienen.

Die Abfallwirtschaftsplanung hat u.a. folgende Systeme auf den Weg gebracht bzw. mit privaten Rücknahmesystemen abgestimmt:

  • flächendeckende Restabfallentsorgung über Restabfalltonnen

  • flächendeckende Bioabfallentsorgung über Bioabfalltonnen

  • jährliche Abfuhr von Baum- und Strauchschnitt

  • schonende Sammlung von Sperrmüll, Elektrogeräten und Metallen bei Privathaushalten

  • Altpapiererfassung (zunächst über Altpapiercontainer, mittlerweile über Altpapiertonnen)

  • flächendeckende Altglascontainer (mit Dualen Systemen abgestimmt)

  • Entsorgung von Problemabfällen

  • Annahmemöglichkeiten für Abfälle und Wertstoffe (insbesondere beim Zweckverband)

  • Abfuhr von Verpackungsabfällen über Gelbe Säcke (mit Dualen Systemen abgestimmt)

  • Rücknahmesysteme u.a. für CD's, Altbatterien, Altöl

  • Altkleider und Textilien über Altkleidercontainer (über caritative Verbände)


Besonders erwähnenswert ist die flächendeckende Einführung der Biotonne in beiden Landkreisen. Was viele nicht wissen ist, dass die Biotonne längst nicht in allen deutschen Städten und Landkreisen eingeführt wurde. Die getrennte Bioabfallerfassung will die Bundesregierung mit dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz ab 2015 als Pflicht festschreiben.

Die meisten in Friesland und Wittmund gesammelten Abfälle  werden in den Anlagen des gemeinsam getragenen Zweckverbandes „Abfallwirtschaftszentrum Friesland-Wittmund" in Wiefels behandelt, verwertet und zum Teil deponiert. Zu den Anlagen zählen die mechanisch-biologisch Abfallbehandlungsanlage mit Nass- und Trockenvergärung, das Kompostwerk sowie die eigentliche Deponie.

Im Kompostwerk des Zweckverbandes wird aus den in Friesland und Wittmund gesammelten Bioabfällen ein hochwertiger Qualitätskompost gewonnen. Dieser wird über einen privaten Partner (Fa. Nehlsen) vermarktet und kann als „Qualititätsprodukt aus der Region" erworben werden. Kompost ist eine sinnvolle Alternative zu Torfprodukten. Die üblichen Blumen- und Gartenerden enthalten in der Regel sehr viel Torf, da dieser Wasser speichert und die Erde auflockert. Obwohl Torf ein Naturprodukt ist, ist es jedoch keineswegs umweltfreundlich, ihn zu
verwenden: Torf kommt aus Mooren. Er besteht aus abgestorbenen Torfmoosen und anderen Pflanzen. Der Abbau des Torfes zerstört Moore, also wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Durch die Entwässerung der Moorböden wird außerdem klimaschädliches Kohlendioxid und Lachgas freigesetzt. Moorschutz ist nicht nur Naturschutz, sondern auch Klimaschutz.

Da die Landkreise Friesland und Wittmund den Klimaschutz auf ihre Fahnen geschrieben haben, wird auch aus diesem Grund appelliert, den aus den eigenen Landkreisen stammenden Qualitätskompost zu verwenden.

„Wir machen aus Abfall Energie."
Was viele nicht wissen ist, dass in den Anlagen des Zweckverbandes aus Restabfall, der in den grauen Tonnen gesammelt wird, Energie erzeugt wird. Sowohl die Nass- als auch die Trockenvergärungsanlage bieten die Möglichkeit, aus Abfall Strom zu erzeugen - der Zweckverband wird so unabhängig von steigenden Strompreisen und kann sogar überschüssigen Strom verkaufen. Darüber hinaus leistet der Zweckverband hierdurch einen großen Beitrag zum Klimaschutz, weil die ohnehin im Abfall vorhandene Energie zur Erzeugung von Strom genutzt wird, der ansonsten mit anderen Energieträgern erzeugt werden müsste. Der Zweckverband ist damit enerigieautark und kann weiterhin überschüssigen Strom ins Netz einspeisen. Die so erzielten Erlöse kommen den Gebührenzahlern zugute.

Weiterhin erwähnenswert ist, dass im Restabfall (graue Tonne) befindliche Metalle im mechanischen Teil der Restabfallbehandlungsanlage ausgeschleust werden. Die Verwertungserlöse kommen ebenfalls den Gebührenzahlern zugute. Auch Kunststoffe (sogenannte heizwertreiche Fraktion) werden ausgeschleust und als Brennstoff aufbereitet oder anderweitig thermisch verwertet. Hierdurch werden Primärenergieträger bzw. fossile Brennstoffe ersetzt, so dass auch hierdurch ein Beitrag zum Klima- und Ressourcenschutz geleistet wird.

Die Landkreise Friesland und Wittmund haben zusammen mit dem Zweckverband die vorliegenden Daten der erfassten Abfälle ausgewertet und sind zu einem beeindruckenden Ergebnis gekommen: „80 % der erfassten Abfälle aus Friesland und Wittmund werden verwertet !"

Das immer wieder geäußerte Vorurteil „es landet doch sowieso alles auf der Müllkippe" wird eindrucksvoll widerlegt. Angesichts einer allgemeinen Verwertungsquote von rund zwei Drittel der Siedlungsabfälle in Deutschland muss man das Ergebnis als beeindruckend bezeichnen. Wir haben die allgemein diskutierte Wertstofftonne bereits - sie heißt Graue Tonne Friesland bzw. Wittmund. In Kombination mit der sonstigen Wertstofferfassung in beiden Landkreisen haben wir eine Erfassungsquote, die bereits jetzt über den Verwertungsquoten liegt, die zukünftig festgelegt werden sollen.

Aber auch in unserem System steckt noch Potenzial. Wir appellieren daher an die Bürger, soweit möglich, noch mehr zu trennen und die separaten Erfassungsmöglichkeiten zu nutzen. Insbesondere Verpackungen sollten konsequent über den Gelben Sack entsorgt werden, weil dies die Restabfallentsorgungskosten senkt und so den Gebührenzahlern wieder zugute kommt.

Angesichts der Wertstofferfassung auch über die graue Restabfalltonne braucht auch niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er Metalle in den Restabfall gibt. Dieser wird ausgeschleust und erzielt sogar Erlöse.

Die Landkreise Friesland und Wittmund verstehen ihre Abfallwirtschaft als Beitrag zum Ressourcen- und Klimaschutz. Die Abfallwirtschaft hat eine Schlüsselfunktion für mehr Ressourceneffizienz, der für den rohstoffarmen Standort Deutschland auch ein nationales Anliegen ist. Hierdurch werden zudem sichere Arbeitsplätze beim Zweckverband sowie zahlreichen regionalen privaten Unternehmen in der Abfallbranche gesichert.

Die derzeit politisch diskutierte gemeinsame Wertstofferfassung gehört eindeutig in die Hand der kommunalen Abfallwirtschaft. Die Landkreise Friesland und Wittmund appellieren daher an den Gesetzgeber, die kommunale Daseinsvorsorge zu schützen, um die Bürger auch zukünftig an den Erlösen aus der Wertstofferfassung teilhaben zu lassen. Da die meisten Entsorgungsverträge in Friesland und Wittmund ausgeschrieben werden, würde es auch zukünftig eine gute Zusammenarbeit mit den überwiegend mittelständischen Entsorgern geben. Gerade im ländlichen Bereich müssen die derzeitigen guten Strukturen flächendeckend erhalten bleiben - dies gilt insbesondere auch für die Entsorgung der Inseln.

Die Landkreise Friesland und Wittmund haben bewiesen, dass hervorragende Verwertungsquoten durch die kommunale Abfallwirtschaft erzielt werden können. Dies funktioniert jedoch nur, da die Bürgerinnen und Bürger das System akzeptieren und durch gute Trennung einen entscheidenden Beitrag für den Ressourcen- und Klimaschutz beitragen und zudem den Gebührenhaushalt entlasten.

 

 

Zusätzliche Informationen

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